MUSEUMSTAG
wir gehen gern in museen. am liebsten wochentags, da ist weniger besucherandrang.
ausser in moritzburg - da wimmelt es immer von touristen. sogar im winter dank kindischer aschenbrödelausstellung - die aussenaufnahmen des eingeschneiten märchenschlosses wurden am jagdschloss moritzburg gedreht......
nix gegen den film, der is süss.
also spätsommer, ein bedeckter tag. in den schlossteichen kaum noch wasser (hallo klimakatastrophe) - die karpfen schnappen mühsam nach luft.
im schloss ist es kühl, ausser oben unterm Dach, wo immer die sonderausstellungen stattfinden. dort steht die schwüle so schlimm, dass die räume mit den organischen ausstellungsstücken klimatisiert werden müssen......
womit wir bei dem grund unseres diesjährigen besuches wären:
(link zur ausstellung in der überschrift)
ein inuit-paar wurde durch USA und europa geschleift, um menschenzoomässig damit geld zu verdienen......
eine station war dabei auch das jagdschloss moritzburg. vor dem könig und den hofschranzen wurde vom inuit george auf dem grossteich eine gänsejagd mit speer, vom kajak aus, gezeigt, samt kenterrolle.
das war 1825.
da hatten die sächsischen herrnhuter brüder die inuit schon missioniert - deswegen "george" - und "mary", seine frau.
ausgestellt waren unter anderem die originalklamotten aus pelz und leder samt stiefeln, taschen etc. und werkzeuge und jagdwaffen wie speere. ausserdem von den herrnhutern gesammelte kunstobjekte und alltagsgegenstände. jede menge publikationen zu der damaligen "tournee" und zeichnungen und gemälde zeitgenössischer künstler - unter anderem ein schönes grosses portrait in öl von mary - darauf deutlich zu sehen ihre tätowierungen im gesicht - schon eine generation später hatten die missionare diesen brauch ausgetrieben.......
(kommt aber grade wieder bei jungen inuitfrauen - sah ich neulich in einer aktuellen doku.)
leider konnte man in der sonderausstellung nicht fotografieren, wegen der organischen artefakte war das licht sehr gedämpft - und blitz gehört sich nicht.
DAS SCHLOSS VON INNEN
in o.g. film sieht man jagdschloss moritzburg nur von aussen, die innenaufnahmen entstanden im studio.....
also mal ein paar bilderchen der wirklichen und wirklich prachtvollen räume - zur freude des fotografen gut ausgeleuchtet :-)
um ins thema reinzukommen: frühbarockes wimmelbild einer hofjagd:
ordentlich strecke gemacht!
im "monströsen-saal" schmücken neben flächendeckenden gemälden jede menge bizzar verkrüppelte geweihe, auf goldene hirschköpfe montiert, die wände. barocke faszination für die launen der natur.
das weiss-blaue "ding" ist ein ofen - unten schwarz gusseisen für die feuerstelle, oben meissner porzellan zur wärmespeicherung.
treppenhaus:
das federzimmer
wandbehänge, bettumrandung und -himmel sind komplett aus in einen textilgrund eingewebten vogelfedern gestaltet!
(das zimmer darf nicht betreten werden, in der tür ist eine glasscheibe)
tischkultur
das viele wildbret musste ja auch verspeist werden - natürlich standesgemäss von meissner porzellan. hier das hahnenservice im chinoiseriestil samt kämpfenden hähnen und drachen.......
die zitronen sind auch aus porzellan - sehr lebensecht und jede ein unikat!
oben die schlosskapelle....
hubertuslegende und ein barockes facebook ;-)
billardzimmer mit dem original tisch......
geht ihr gern in museen - und wenn: in was für welche?
zu guter letzt noch eine weisshaarige dame (weissgepudert vermutlich) - vor vergoldeter ledertapete:
ps: das neueste im museumsbusiness sind offensichtlich kleine tablets, durch die die besucher das eh vor ihnen stehende betrachten können - sieht sehr merkwürdig aus, wenn um die 30 leute in einem raum mit den dingern rumwedeln.......
wir persönlich sind ja noch fähig, ein museum direkt ohne digitale verstärker zu geniessen. und auch zu verstehen. dafür sitzen wir dann auch mal ziemlich lange auf einer der bänke, um das ganze richtig wirken zu lassen oder unser kopfkino anzuschmeissen :-D





















