Dienstag, 13. Juni 2023

BIENENFEINDLICH

 





giftiger trend


ich schrieb ja im letzten post über wildstauden im garten, die insekten- und singvogelfreundlich sind, weil sie nektar, pollen und samen liefern.....
....und dass es mittlerweile "trendy" ist, solche pflanzen im garten zu haben und die grossmärkte schon auf den zug aufgesprungen sind.

und weil mich das thema wirklich persönlich interessiert, habe ich weiter recherchiert - und bin auf schreckliches gestossen!!!

 denn viele der im handel erhältlichen sommerblumen haben eine hohe pestizidbelastung! 
das ergab eine studie des BUND.
dazu wurden 22 stauden aus gartencentern & baumärkten, die das etikett "bienenfreundlich" trugen, auf giftige rückstände untersucht. das erschreckende ergebnis: 


38 pestizide wurden gefunden, 

5 wirkstoffe sind hochgefährlich für bienen 

und 7 haben keine zulassung in deutschland......


außerdem: 20 der gefundenen pestizide sind laut BUND auch für menschen "hoch gefährlich" - vor allem für die arbeiter in den aufzuchtplantagen, aber auch für die gärtner und floristen, die täglich engen kontakt zu diesen pflanzen haben.


BUND-expertin corinna hölzel:

"Über 80 Prozent der Beet- und Balkonpflanzen im Handel kommt aus dem globalen Süden. Vor allem aus Ländern in Lateinamerika und Afrika. Dort ist die Produktion billiger und die klimatischen Bedingungen für die Aufzucht besser und es gibt dort weniger strenge Gesetze und weniger Kontrollen - man kann mehr Pestizide einsetzen, was gut ist für den schnellen Profit.
Erkennen können Hobbygärtner die Herkunft nicht. Auf den Etiketten an den Pflanzen steht lediglich, in welchem Land der letzte Kultivierungsschritt war. Das seien vor allem Deutschland und die Niederlande. Hier werden die kleinen Pflanzen weiter herangezogen, umgetopft und gegebenenfalls noch mal mit Pestiziden behandelt."


vom beinahe-aussterben der wanderfalken weis ich, das pestizide in der nahrung von vögeln die eischalen extrem dünn & zerbrechlich machen und deswegen ein ausbrüten der küken unmöglich wird - ob das jemand bei den singvögeln schon untersucht hat???


also. liebe leser und hobbygärtner! nicht nur dem geldbeutel tut es gut, wenn ihr einen bogen um das gartencenter macht! 
stattdessen lest euch nochmal die tipps im letzten post durch und zieht eure eigenen bienenfreundlichen, standort-passenden und vor allem pestizidfreien sommerstauden.























ansonsten hänge ich weit zurück mit meiner berichterstattung - die hier gezeigten akeleien sind längst zu samenkapseln geworden....... knipsen klappt noch, aber fürs editieren und post schreiben fehlt meist die zeit bzw. bin ich abends so hundemüde, dass mir beizeiten die augen zufallen.


logischerweise ist nix von dem, was in diesem post blüht, in einem gartenmarkt gekauft worden - stattdess gesammelte (in alten gärten) oder getauschte (mit "alten" gärtnern) samen, stecklinge und absenker.


























Montag, 5. Juni 2023

päonien an wildkräutern

 










reingefallen!

es gibt hier und heute nix zu essen - auch kein kochrezept. 

dafür: ein "rezept" für den ziergarten, den umweltfreundlichen nämlich........











ästhetik umweltfreundlich

dass die erde den bach runtergeht, ist nichtmehr zu übersehen und wohl auch nicht aufzuhalten.......
das hindert mich aber nicht daran, wenigstens auf meinem winzigen stückchen land (700m2) zu versuchen, paradiesische zustände herzustellen - für ALLE bewohner.

und es lohnt sich!
seit ich den garten naturnah bewirtschafte - er war eine zugewucherte wildnis, als wir hier ankamen - kann ich viel mehr vögel, insekten, kleinsäuger und reptilien beobachten. ja - es wurden, je diverser ich den garten gestaltete, immer mehr - und immer mehr verschiedene arten.

ich denke, es liegt an der gesunden mischung.
neben den exotischen mit den grossen blüten wie den pfingstrosen gibt es jede menge einheimisches wildes - blühstauden, gehölze und gräser.... da ist für jede biene, hummel, jeden käfer oder schmetterling eine futterpflanze dabei - kleine samenkörnchen für kleine vögelchen auch. 
und das "wilde" blüht fast das ganze jahr über - angefangen von den schneeglöckchen im februar bis zu den bergastern ende oktober.












aber wie?

mittlerweile kann man ja wildstauden im gartenversand bestellen und es gibt auch da "trends".....
aber vorsicht - nicht jede pflanze fühlt sich in jedem garten wohl - gerade die wildsorten sind an ihre ursprünglichen standorte extrem angepasst.


tipp 

einfach mal gucken, was so wächst, wenn man quasi nix macht. 
wobei - am anfang hat man schon eine ordentliche arbeit - denn: am besten funktioniert die "anzucht" von wildstauden, wenn man in einem teil des gartens "brachland" produziert - rodet also den rasen, reisst einen schuppen ab oder befreit eine fläche von ihrem beton. dann liegenlassen. 
schon im nächsten jahr hat sich dort angesiedelt, was sowieso in der gegend wächst - und das ist oft sehr hübsch und vor allem ökologisch sinnvoll.
nach der blüte sammelt man die samen, bei mehrjährigen stauden kann man diese auch ausgraben (evt. teilen) und die rizome/wurzelballen an andere stellen im garten verpflanzen. manchmal siedelt sich auch gleich ein gehölz an - das lässt sich dann, am besten im spätsommer, auch dahin versetzen, wo es seine wirkung richtig entfalten kann.
aber unbedingt darauf achten, dass die sonnenanbeter wieder in die sonne kommen und die schattenliebhaber.... na ihr ahnt es.

ein weiterer vorteil der wildstauden - neben dem nutzen für die tierwelt: sie sind extrem pflegeleicht und brauchen oft nur wenig wasser und sind meist mit magerem boden zufrieden. 

man kann auch auf spaziergängen in der umgebung samen sammeln - das ausgraben von pflanzen sollte man aber unterlassen, es sei denn das gebiet kommt demnächst eh unter den bagger.......













meine lieblingssachen in den letzten 2 wochen

der DIY leinenrock mit wachsdruck (2014), die gaucho-stiefel von letzten jahr und der nietengürtel vom herbstflohmarkt.....

neu dazugekommen ist die wollene handgestrickte jacke - vermutlich 1930er jahre. hat der BW mir gefunden auf dem flo-mi neulich. 
ein löchlein am ärmel war schnell und unsichtbar gestopft.
ich habe sie als jacke über bluse getragen und auch als top nur mit schwarzem BH drunter beim freilufttheater letzten samstag - die wolle auf der haut lieferte eine willkommene wärme, als die nachtkühle aus dem wald kroch..... #nofleece

ohrringe aus bein.

(das supermodel in mir braucht grade ´ne pause - deswegen liegen die klamotten nur rum. ich hoffe ihr seht mir das nach....)














damit die liebhaber guter küche nicht ganz so enttäuscht sind - hier noch einen blick in die des BWH. einbauküchenfreie zone. 
wenn ich recht drübernachdenke ist nur die laterne rechts oben auf dem bord überm fenster von uns neu gekauft worden.......










Samstag, 20. Mai 2023

KLEIDERGESCHICHTE #minimalismusgequatsche






minialismus im kleiderschrank

hatten sich hummel und aurelia diesmal als thema gewünscht.......

ich habe ein klein bisschen die augen gerollt - predige ich doch seit 10 jahren (solange gibt es diesen blog schon) den minimalismus beim kleidungskonsum. gelebt habe ich den schon immer. sogar, als ich mein modelabel betrieben hab.
aber darüber habe ich ja auch schon x-mal geschrieben hier auf´m blog......
 was tut man nicht alles für freunde
😊




heute will ich mal einen kleinen exkurs in kleidergeschichte geben - und mit ein paar hartnäckigen missverständnissen diesbezüglich aufräumen.....




die geschichte der kleidung ist eine minimalistische und nachhaltige

die ersten fummel der menschen waren mit tiersehnen zusammengeheftete felle, die man den tieren, die man jagte, um sie zu essen, über die ohren zog. und die trug urmensch solange, bis sie ihm vom leib fielen - dann machte er sich neue. selbst nehme ich an, egal ob mann oder frau - arbeitsteilung war noch nicht erfunden und diese idee, dass frauen nähen und männer jagen ist eine idee des extrem patriacharlichen 19.jahrhunderts. reste der fellkleidung flogen in den bush, wo sie von mikroorganismen zu kompost verarbeitet wurden. kreislaufwirtschaft.




dann entdeckte mensch die faser. lange tierhaare, pflanzenfasern. am anfang gejagt und gesammelt, seit der neolithischen revolution angebaut und gezüchtet. das spinnen und weben wurde erfunden - technisch gabs noch keine grossen sprünge und die garne waren grob und die gewebten stoffstücke eher klein. auch die fasern von tier und pflanze gaben noch lange nicht soviel her wie später.... sprich: ein fertig gewebtes stückchen stoff brauchte eine endlose menge an zeit, muckis und gehirnschmalz - war also dementsprechend kostbar!

die kleidung wurde so genäht, dass es keinen verschnitt gab - und dann getragen bis es gar nichtmehr ging. ausserdem natürlich geschont! wenn vattern holz machte oder den acker pflügte, trug er nur lendenschurz - den kittel und die hosen hing er an einen baum, bis es wieder heimging. und muttern (ihr seht, jetzt gibt es arbeitsteilung) trug zur hausarbeit eine schürze überm kittel...... und natürlich hatte jeder nur die kleidung, die er trug. einen schrank - oder truhe - brauchte niemand.

mit dem neolithikum gab es auch die ersten "honoratioren" - anführer, höhergestellte, chefs. und auch die hatten keinen überquellenden kleiderschrank. im prinzip trugen sie das gleiche wie ihre untertanen - plus ein paar "standeszeichen" - besonderen schmuck, besondere waffen. in manchen gesellschaften gab es zeremonialmäntel und/oder kopfbedeckungen für besondere gelegenheiten.

da ja mensch findig ist, wurde die textiltechnologie mit der zeit immer ausgefeilter - genauso wie die gesellschaftlichen strukturen...... aber ein mehr an kleidung gab es deswegen noch lange nicht - nur die qualität der textilien wurde immer besser - bis hin zu raffiniert.


 

in den alten kulturen in mesopotamien und ägypten konnte man die baumwolle so fein spinnen und weben, dass hauchzarte schleierartige stoffe entstanden. wunderschöne, vielfarbige borten mit feinen blumenmustern habe ich im ägyptischen museum in berlin gesehen..... purpur aus schnecken und ägytisch-blau (aus einem nebenprodukt der kupferverhüttung - nicht aus lapislazuli, damit kann man nicht färben, zermahlen ergibt dieser stein nur ein weissliches pulver) brachten farbe auf die schneeweiss gebleichte baumwolle. könige, hofbeamte und ihre frauen schmückten sich damit wenn sie in der öffnetlichkeit auftraten - alltags tats ein einfacher lendenschurz/kittel. 
bauersleute und handwerker trugen die baumwolle sowieso in robusten qualitäten aus naheliegenden gründen - und wenn gefärbt, dann mit eher erdigen pflanzenfarben.

apropo weiss - dass die griechische antike eine reinweisse angelegenheit war, ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt! nicht nur tempel und marmorstatuen waren knallbunt angemalt - die kleidung der menschen war leuchtendbunt gefärbt - mit mehrfarbig gemusterten borten an den säumen. woher man das weis? na von den statuen - deren marmorne kleidung war natürlich so angemalt, wie die kleidermode der damaligen zeit eben aussah. nichts entsteht im luftleeren raum...... 
auch wenn die ollen griechen spektakuläre handelsbeziehungen in die ganze damals bekannte welt unterhielten und die textiltechnologie grosse fortschritte gemacht hatte - kleidung war immernoch handarbeit von der zucht und gewinnung der faser bis zum anähen der zierborten..... in den städten haben wohl nur die ganz reichen neue kleidung anschaffen können - und wenn die nichtmehr repräsentabel war, begann ein reges "hand me down" (english ist einfach manchmal treffender). entweder bekam das hauspersonal (sklaven) die sachen oder sie wurden trödlern mitgegeben, die sie für kleines geld an die weniger begüterten stadtbewohner verhökerten. die landbevölkerung lebte auch bei kleidung weiterhin im selbstversorgermodus - spinnen, weben, färben, nähen auf einfachem niveau passierten auf den höfen - mit regionalem material versteht sich. 




und so ging das im prinzip durch die ganze geschichte - über das römische reich, das mittelalter, renaissance, barock, rokkoko...... kleidung blieb aufwändig in der herstellung und entsprechend kostbar.
und je weiter die mode sich vom kittel entfernte, umso grösser wurde der aufwand. deshalb hatten selbst hochadel oder königs nur eine uns heute sehr beschränkt erscheinende auswahl im kleiderschrank - man kann es gut an den portraits sehen: auf verschiedenen bildern trägt die person dieselben kleider, manchmal etwas variiert in der dekoration - aufputz genannt. oder man sieht die selben spitzen auf verschiedenen kleidern..... diese im barock sehr beliebten spitzendekorationen waren nämlich nicht fest auf der kleidung montiert - sie waren bei entsprechender qualität unfassbar teuer und deswegen hatte man meist nur eine "gute" garnitur. ausserdem musste die spitze, weil aus leinen, vor jedem tragen neu gestärkt und gespannt werden....... dann wurde sie als allerletztes von der kammerzofe an die kleidung geheftet - an der fertig angekleideten person!

überhaupt war die kleidung vom mittelalter bis ins 19.jh. mehr zusammengeheftet als fertig genäht. ärmel wurden ans leibchen oder wams mit bändern "angenestelt" (mittelalter, renaissance), die roben und jäckchen wurden vorn nur mit stecknadeln am mieder befestigt (barock, rokkoko), röcke hatten ein zugband statt eines festen bundes, hosen und männerwesten eine schnürung hinten. das ganze hatte natürlich, bei aller prachtenfaltung, praktische gründe: keine ausgerissene schulternaht bei voller beweglichkeit, ärmel nutzen sich schneller ab und lassen sich so austauschen - und körper verändern sich ständig, vor allem durch schwangerschaften - "variable" passformen sorgten für das möglichst lange tragen der kostbaren textilien - in allen bevölkerungsschichten. 




natürlich hat niemand den ganzen aufwand 24/7 betrieben - weder königs noch adel, feister bürger oder klerus. es gab immer eine trennung zwischen den repräsentationsroben und der schlichten, robusten, praktischen alltagkleidung. 
und die weniger begüterten gingen auch nicht in lumpen, wie es gern in historienschinken und schlechten dokus gezeigt wird - jeder sah zu, dass er ordentlich und reinlich angezogen war...... die kleider sauber gewaschen und schäden so geflickt, dass es nicht auffiel. und keine arbeitende frau schleifte überlange röcke durch gassen oder über felder - die waren genau so kurz oder lang, dass es bequem beim gehen und arbeiten war und der saum nicht dauernd im schlamm hing.....
denn: die klamotten, egal ob hofkleid oder bergmannsuniform, mussten ewig halten - weil sie  verdammt teuer waren.
 
kleidung, die oft gewaschen werden musste wie leibwäsche, hemden, arbeitskleidung, jagdhosen, reisekleider für den sommer waren übrigens meistens weiss. genauer gesagt aus gebleichtem leinen. warum? ganz einfach: farbe war damals noch nicht sehr beständig in den stoff zu bekommen, lief beim waschen aus..... weisses leinen kann man auskochen, ordentlich schrubben und in der sonne bleichen für hygienisch saubere kleidung.
tat sich der barockmensch auch nicht 2x täglich duschen, so wechselte er doch mindestens täglich, zu besonderen gelegenheiten mehrmals am tag, das hemd - weshalb dieses kleidungsstück weder bei männern noch bei frauen mit spitzen verziert war: die feinen gespinste hätten die ständige kochwäsche und schrubberei kaum überlebt. (spitzen - siehe oben.)




auftritt industrielle revolution!

dampfmaschine, spinnmaschinen, mechanische webstühle mit lochkarten für muster, mechanische strickmaschinen für strümpfe, riesige fabriken mit tausenden billiger arbeiter, die ersten nähmaschinen, schnelle transportwege mit der eisenbahn und dem dampfschiff, die ersten synthetischen farben und textildruckmaschinen legten ein irrwitziges tempo vor. 

plötzlich wurde kleidung billig! 
neue kleidung wohlgemerkt, nicht die getragenen klamotten von adel und reichen bürgern, die man beim trödler kaufte so man nicht auf´m land wohnte und sich die trachten selbst herstellte........ 

und sehr schnell sahen die kapitalisten, dass es sich mehr lohnte, stoffe und kleidung in "mässiger" qualität, aber grossen stückzahlen herzustellen...... und das schon in der mitte des 19.jh.!

seitdem dreht sich das rad immer schneller, 1. und vor allem 2. weltkrieg konnten da nur kurz abbremsen..... und heute, wo stoffe quasi im spritzgussverfahren aus erdöl hergestellt werden und völlig entrechtete menschen in der 3. welt sie für einen hungerlohn vernähen - heute ist kleidung nurnoch ein wegwerfprodukt - zumindest für die allermeisten menschen in den industrieländern.......

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noch jemand da? 
oder seid ihr vor lauter langeweile ob des vielen textes klamotten-shoppen gegangen?