macht und mode*
achtung - das ist mein lieblingsthema! wer weiterhin glauben möchte dass kleidung nichts aussagt und und historisch, gesellschaftlich und politisch keine bedeutung hat geht besser die instyle lesen.....
mode interessiert mich nicht
denn ich liebe kleidung!
nicht nur wegen der sinnlichkeit der textilien - nein - kleidung hat etwas zu erzählen - man muss nur zuhören können.
selbst der steinzeitmensch trug seine felle nicht nur weil es kalt war, und die kette aus wildschweinhauern war nicht hübsch sondern ein symbol. ein symbol für die geschicklichkeit als jäger, mit hamsterzähnen hätte man wenig staat gemacht. und ein tigerfell machte natürlich viel mehr her als eins vom reh - nicht nur optisch. menschen haben sich schon immer mittels kleidung ausgedrückt, kleidung ist IMMER kommunikation. und so wie schweigen auch eine aussage ist - genauso sagt kleidung nie nichts aus - egal was der träger behauptet!
wenn es dann eine ausstellung gibt die "macht und mode" heist muss ich dringend hin. vor allem wenn dort kleidung aus dem frühbarock ausgestellt wird - eine wichtige zeit in der geschichte der bekleidung - damals wurden die grundlagen gelegt für die kleidung, wie sie heute aussieht. ausserdem basieren die meisten europäischen trachten auf der mode dieser zeit.
es ist schon erstaunlich, dass diese gewänder aus der zeit von 1550-1650 überhaupt noch existieren! und dann in diesem fantastischem zustand. dass sie überhaupt aufgehoben wurden, liegt an ihrem besonderen status als prunkkleidung - selbst königs haben nämlich für gewöhnlich ihre plünnen aufgetragen - oder an die dienerschaft oder hofschranzen niederer ränge vermacht. denn kleidung war extrem wertvoll: das material musste erst mal wachsen, auf dem feld oder dem tier - und das ganz ohne turbogene. die gewinnung des materials war natürlich reine handarbeit, von der ernte/schur über die reinigung und aufbereitung - noch bevor es überhaupt gesponnen werden konnte waren schon unzählige handgriffe vonnöten. besonders prächtige stoffe lieferte der orient - das war superteuer, schon allein wegen der immensen transportkosten und vielen zwischenhändler. und dann eben spinnen, weben, färben - von hand versteht sich. besticken, zuschneiden, nähen ohne nähmaschine, dekorieren.....
und das alles nicht von amateuren gemacht - qualität bekam man auch damals schon nur bei fachleuten - die entsprechende preise verlangten.
k l e i d e r g e s c h i c h t e
gestrickte strümpfe - mit feinem muster, welches leider nicht zu fotografieren war.
unten:
der kurfürst war natürlich nicht so breit - aber masse war ein machtsymbol, nur hungerleider waren dünn. und deshalb wurde der mantel so geschnitten und ausstaffiert dass er besonders voluminös aussah. die häufig verwandte gelbe farbe soll übrigens gar kein gelb darstellen sondern GOLD. tatsächliches gelb war verpönt und musste von aussenseitern der gesellschaft getragen werden wie juden oder huren.
die auf uns heute befremdlich wirkenden schamkapseln waren ganz klar eine dekoration, die macht/potenz kommunizieren sollte. man lagerte darin nicht die entsprechenden körperteile, sondern taschentücher oder kleingeld.......
die hose oben ist übrigens ganz fein gestrickt und mit seide unterlegt.
dieser erste hosenanzug des kleinen prinzen ist aus purpurroter seide - rot ist eine farbe der kraft und hat eine mächtige ausstrahlung - deswegen wurden rottöne für jungenkleidung benutzt - die knaben sollten schliesslich mal den staat anführen.
um zu zeigen, wie winzig der anzug ist, hab ich mal den bahnwärter danebengestellt.
das kleine wesen im roten kleid auf dem gemälde im hintergrund ist übrigens ein prinz - solange die knaben noch nicht länger "anhalten" konnten, trugen sie kleider (auch noch im 19.jh.!) - weil die hosen mit bändern an den wämsern befestigt wurden (später gabs hosenträger) - und das dauerte seine zeit bis alle schleifen aufgebunden waren.... ein röckchen raffte sich da fixer zusammen.
die frauen- und mädchenkleider machen ebenfalls mächtig was her. wer jetzt meint, die "armen" frauen bedauern zu müssen wegen der "unbequemen" kleider, ist auf dem holzweg. erstens wurden solche üppigen kleider nur zu hofzeremonien und festen getragen, die damen schritten allerhöchstens gemessen herum oder sassen auf sesseln oder in sänften und wurden von vorn bis hinten bedient. und zweitens sind die kleider gar nicht so unbequem.
die mieder folgen den natürlichen proportionen und die schmalen taillen sind zum grossen teil ein optischer trick - mittels verschiedener stoffe, schnittführung, besatz und nicht zuletzt durch die weiten röcke und ärmel wirkt die taille viel zierlicher als sie eigentlich ist.
das funktioniert übrigens auch heute noch genauso.
röcke und mieder sind getrennt gearbeitet - so konnten die kleider den sich ständig verändernden frauenkörpern über jahre hinweg angepasst werden - kein mensch wäre damals auf die idee gekommen, an einer 30jährigen den körper eines backfisches zu erwarten oder dass eine 50jährige die figur einer 20jährigen haben müsste - nur um in die kleidung reinzupassen. ansonsten wohl auch nicht.
das prunkstück der sammlung
das landschaftskleid des kurfürsten johann georg I. von sachsen. die stickerei auf dem mantel zeigt die reiche und schöne elblandschaft mit der residenz dresden. dieses gewand war ein geschenk zu weihnachten 1611 von seiner mutter, der kurfürstin-witwe sophie. im jahr seines regierungsantritts war es wohl der berühmte wink mit dem zaunpfahl, die ererbten blühenden landschaften zu bewahren.
kommunikation - wir erinnern uns....
das landschaftskleid besteht aus dem schon erwähnten mantel. hose und wams, hut und wehrgehänge. es darf davon ausgegangen werden dass dazu noch spitzen an kragen, manschetten und hosensäumen getragen wurden.
so wie übrigens zu allen anderen damen-, herren- und kinderkleidern. aber die zarten spitzen sind wohl verlorengegangen, zumal sie nicht fest zu einem kleid gehörten, sondern bei bedarf mit heftstichen angenäht wurden. und da die spitzen ein vermögen kosteten, demzufolge man nur wenige garnituren besass, wurden sie natürlich immer wieder an andere gewänder angebracht - sprich viel öfter getragen als das prunkgewand selbst.
ein niedlicher drache aus winzigen perlen - auf einen paradesattel gestickt. auf so einem sattel liess sich eine stundelange prozession schon mal aushalten.....
unten:
bestickte jagdtasche und handschuhmanschetten
*macht und mode ist der name der ausstellung - falls jemand hingehen möchte.
allerding kann ich die führungen nicht empfehlen - ich konnte gleich 2 museumsführerinnen belauschen und was sie über die gewänder erzählten, war eher unter mythen&legenden einzuordnen denn unter kostümgeschichte......