immer am letzten sonntag im mai ist der "tag des offenen umgebindehauses".
die meisten werden jetzt fragen: "ein haus zum umbinden????"
also versuche ich mal eine erklärung....
das umgebindehaus ist eine für die hiesige region typische art eines hauses - im prinzip eine slawische blockhütte mit einem fränkischem fachwerk obendrauf.
und weil man das fachwerk nicht direkt auf die blockbohlen setzten kann* steht das obergeschoss/der dachstuhl aus fachwerk auf extra ständern die aussen vor der blockbohlen-fassade stehen - das haus sieht aus als hätte es sich was umgebunden!
*holz quillt und schrumpft je nach luftfeuchtigkeit ganz unterschiedlich in länge und breite - die veränderungen in wuchsrichtung des ehemaligen baumes sind gering = fachwerksständer. in der querrichtung allerdings verändert so ein balken auch nach 300 jahren noch seine dicke mit jedem wetterumschwung ganz mächtig. bei einer zimmerhohen blockbohlenwand können das schon mal mehrere zentimeter sein - was für darüberstehende stockwerke natürlich fatal wäre!
nun hätte man ja auch das untergeschoss komplett aus stein oder fachwerk bauen können - oder?
eben nicht. die blockbauweise ist dem klima hier hervorragend angepasst, so eine blockbohlenstube ist immer gemütlich egal welche kapriolen das hier tendenziell feuchte wetter gerade schlägt.
Eingangs- und Stallteil aus Sand-, Granit- oder Feldsteinmauerwerk
Blockstube aus behauenen oder unbehauenen Baumhölzern
Umgebinde aus verschiedenartigen Holzelementen des Fachwerkbaues
Obergeschoss- bzw. Dachaufbau in Fachwerk- und Holzdachstuhltechniken
Abbildung aus "Umgebindehäuser" von Karl Bernert
zu ergänzen wäre hier - typisch mann das nicht zu erwähnen - dass in dem gemauerten "eingangsbereich" sich die küche befindet mit dem offenen herd. von dort aus wird auch der kachelofen in der stube geheizt - kein offenes feuer in der holzhütte!
und keller als "wohnraum" gabs natürlich auch nicht. höchstens ein flaches gewölbe unterm flur für vorräte die es gern kühl und feucht haben.......
über dem stallteil waren die schlafkammern - die tiere sorgten für die "fussbodenheizung". über der stube und im spitzboden lagerten getreide, heu und stroh, das dämmte ganz hervoragend!
und weil diese traditionelle architektur dem klima so gut angepasst ist ist sie natürlich extrem nachhaltig!
zumindest solange man nicht mit modernen baumaterialien daran herumpfuscht. so manches haus wurde "umgebracht" weil man den lehm im fachwerk durch beton ersetzte, die fassade mit zementputz versah - sieht doch ordentlich aus! - oder die blockbohlen luftdicht verkleidete.
aber zum glück gibt es ein paar vernünftige menschen die alles daran setzten diese häuser zu retten. einen davon werde ich demnächst mal vorstellen - sein haus ist ein wahres schatzkästlein - das letzte foto ganz unten ist schon mal eine andeutung......
die fotos hier sind in hinterhermsdorf einstanden - das allerhinterste dorf in der sächsischen schweiz, die strasse endet dort, danach scheint nur noch wildniss zu kommen. es ist schon ziemlich hoch gelegen, deswegen ist das wetterempfindliche fachwerk des obergeschosses hier mit holz oder schiefer verkleidet.

das museum in hinterhermsdorf - leider mittagspause als wir da waren - aber picobello saniert!!
unsaniert, unbewohnt. aber das schieferdach scheint noch in ordnung und da das holz das haus auch bei geschlossen fenstern gut klimatisiert muss man wahrscheinlich nur mal ausfegen und kann dann sofort einziehen. idyllischer gehts kaum.
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Vereinshaus von der Elbsandstein-Initiative e.V.
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nach soviel ländlicher architektur ein paar schnappschüsse meines ländlichen sonntagsanzuges:
die 30er-jahre strickjacke war nötig, es war ziehmlich frisch hoch oben im wald. der rock ist von mir und die bluse hab ich von der nachbarin geerbt. schuhe ebenfalls 30er-jahre vom flohmarkt - für 2€! die bequemsten schuhe der welt, kann stundenlang in ihnen laufen, sogar ohne socken!!!
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