Donnerstag, 10. Februar 2022

LOST PLACES

 





gentrifizierung

claire @ winter peach photography hat einen interessanten post über ein stadtviertel in birmingham veröffentlich - digbeth. 

da kam mir meine "jugend" im nachwende-berlin der 90er jahre in den sinn.......

die quartiere "mitte" und "prenzlauer berg" waren damals mein zuhause - kleine, ofengeheizte wohnungen in gründerzeit-mietskasernen - gut bezahlbar mit dem winzigen einkommen eines künstlerdaseins...

zum ausgehen war es nie weit, zog der ofen nicht richtig oder waren die kohlen aus verbrachte man den tag im kaffeehaus. abends traf man sich ganz selbstverständlich in einer kneipe..... 
nur dürft ihr euch diese lokale nicht vorstellen wie die geleckten "coffee shops" und pseudo-coolen bars, wie sie heute sogar in der provinz aus dem boden schiessen - stattdessen rauer charme, abgerockte gemütlichkeit.

alles war irgendwie improvisiert - die clubs, in denen wir uns die nächte um die ohren hauten, lagen oft versteckt in weltkriegsruinen oder aufgelassenen fabriken, die damals noch überall in ostberlin herumstanden. 
zwischen dem kopfsteinpflaster spross das gras und manchmal ein ganzer baum....
erinnere mich, wie wir an heissen sommerabenden vor den kneipen auf dem bordstein sassen - kein parkendes auto weit&breit. 
es war fast eine idylle - irgendwie kannten sich alle und alle waren freundlich gesinnt.
man schob sich gegenseitig jobs und wohnungen zu, spendierte einen drink oder ein essen falls jemand mal knapp bei kasse war. fremde spendeten trost oder brachten einen nachhause - oder liessen einen auf ihrer couch schlafen wenn die kraft nicht mehr reichte um in die eigene bude zu kommen. alle hatten wenig und davon reichlich.

einmal wollten mich meine spiessigen cousinen besuchen - ich verabredete mich mit ihnen in einem meiner stammlokale, einer bar in mitte. sie fürchteten sich!! es kostete ganz schön überredung, sie dahin zu lotsen. einmal da, waren sie die ganze zeit damit beschäftigt, mit offenem mund die bunte meute, die dort verkehrte, anzustarren. war mir fast ein bisschen peinlich ;-D


heutzutage würden sich die beiden cousinen sicher wohlfühlen in mitte oder prenzlauer berg. keine freaks mehr, keine zwielichtigen gestalten - stattdessen arrogante, langweilige provinzler mit überdurchschnittlichen einkommen - ordentliche strassen, durchsanierte häuser - und "kneipen" gibts gar nicht mehr - stattdessen restaurants mit blumigen namen und noch blumigeren speisekarten und adrette cafés voller mütter mit kleinkindern.

die bohemians sind versprengt worden wie heruntergefallenes quecksilber - irgendwann fand man einfach keine bezahlbare wohnung mehr wenn man nicht grossverdiener, reich geschieden oder erbe eines vermögens war.....
die meisten retteten sich aufs land, weit weg von der grossen stadt, wo die häuser noch für´s kleine ersparte zu haben waren. 
so wie die bahnwärter.
allerdings - die gemeinschaft, die wir hatten, ist weg. liegen erstmal 300-500km zwischen den menschen - statt nur eine seitenstrasse - dann wird es irgendwann schwer mit dem kontakthalten und die beziehungen versanden.....











sehr passend zu diesem thema 

der BW hat neulich von sauriern bevölkerte ruinen im bielatal fotografiert - unter lebensgefahr, man weis ja wie fies diese biester sind! 
wenn das nicht lost place ist!






Samstag, 5. Februar 2022

ENDLICH WINTER!

 





ski heil - meine lieben!

nein, wir sind nicht nach norwegen gefahren......
das kleine schneeparadies hier liegt quasi vor unserer haustür, nur ca. 700m weiter oben. und 5°C kälter als am BWH - was dort als regen runterkommt ist auf der höhe schnee - und der bleibt liegen bei temps unter 0.

apropo schnee - der war perfekt. an beiden tagen - die fotos sind an 2 mittwochen hintereinander entstanden. 
denn schnee ist nicht gleich schnee - manchmal ist er fies stumpf, mal unangenehm nass, dann wieder so verharscht dass selbst die ski laute geräusche machen.......und dann ist er einfach nur perfekt und man gleitet darauf leicht und lautlos. 
nebenbei: das künstliche zeug auf den abfahrtspisten ist gar kein schnee - genaugenommen. von der umweltunverträglichkeit dieser art "wintersport" will ich hier gar nicht anfangen......


wir

sind ja selbstständig. deshalb arbeiten wir lieber am wochenende und machen unsere ausflüge unter der woche - wenn die ausflugsziele leer oder wenigstens nicht gerammelt voll sind. so ein winterwald ist ja dann erst richtig schön, wenn er nicht von lauten menschenmassen bevölkert wird.......
...und grad beim skilaufen sind massen besonders hinderlich: mal fällt ein salontiroler so vor einem in den schnee, dass man nur mit mühe verhindern kann über ihn drüberzubrettern - dann laufen kinder und hunde mit vorliebe in der loipe rum und an besonders abschüssigen stellen bilden familien gern eine phalanx über die ganze breite des weges. etc etc. eine skitour an einem wochenende gleicht eher einem hindernissrennen.

nun - wie ihr an den bildern sehen könnt - es war überschaubar. nicht einsam, aber so wenig leute, dass sie kaum gestört haben. 

am ersten tag war das wetter einfach nur bedeckt und windig, eine woche später war der wind eher ein sturm, versetzt mit ein paar flocken, und der himmel wechselte sekündlich zwischen tiefdunkelgrau und knalltürkisblau!
an unserem ziel - dem gipfel des kahlebergs - hielten wir uns deshalb nur ganz kurz auf, rumstehen im eisigen sturm ist unnötig. das imbissangebot der kleinen hütte konnte uns auch nicht locken - schweinewurst, ölige fritten, fuseliger glühwein. bäh.

stattdessen bummelten wir noch ein bisschen im wald rum, genossen die ansichten und das bizarre blaue licht.......


meine knie

die erste tour war heftig. als es an den rückweg ging, war es reine willenskraft, die mich weiterlaufen liess. nichtsdestotrotz fühlte es sich besser an als letztes jahr - was mir richtig mut machte!
deshalb auch gleich eine woche später die nächste runde - und die war schon richtig gut, lauftechnisch. skilanglauf ist, wenn die bedingungen nicht zu harsch sind, das beste für morsche knochen - kaum erschütterungen (im gegensatz zum gehen) und deswegen sanft zu den gelenken........ 
und wenn man die bewegungen richtig ausführt, trainiert es die muskeln des ganzen körpers - und zwar ganz anders als wenn man zu fuss unterwegs ist.
plus 1A ausdauertraining und abhärtung.













suchbild - dame im schnee

unten:
mein perfekter skianzug
wolle, wolle, wolle, wolle..... obendrauf dichtgewebte baumwolle als windschutz.
die rote jacke ist vintage - aus norwegen. die leichte lodenhose von mir. wollene unterwäsche und ein dünner pullover mit seemanskragen, darunter eine "oma" - ein separater rollkragen. schals sind unpraktisch beim skilaufen.
in genau diesem anzug laufe ich nun schon seit mind. 10 jahren rum - nur die socken kamen neulich mal neu - aber die alten trug ich auch schon 15 jahr....... nun wurde die ferse zu dünn.
die skistöcke habe ich seit 22, die schuhe seit 20 jahren (meine ersten waren ein fehlkauf) und die bretter sind 2.hand - möglicherweise auch schon bald vintage :-D

bevor ihr fragt - ich habe nicht erst 2000 mit skilaufen angefangen - sondern 1970 im alter von 2. aber zwischen dem alter von 15 und 32 klaffte eine riesenlücke in sachen wintersport. 
mit hilfe eines sehr guten freundes habe ich den schnee wieder entdeckt - es war, als hätte ich einen sehr wichtigen teil von mir wiedergefunden.
deshalb "musste" ich auch dem BW das skilaufen beibringen - und er musste sehr tapfer sein. aber jetzt können wir unsere touren gemeinsam geniessen!















Sonntag, 30. Januar 2022

L I C H T




spazierengehen

auch wenn der ostwind eisig bläst und die knie knirschen - bewegung an frischer luft muss sein. 
also das körperchen gut gegen den "böhmischen" (der eher ein sibirischer ist) abgedichtet und eine runde unterhalb des liliensteins gedreht......
.....das ersteigen des steines haben wir uns gespart, als wir die fülle auf dem parkplatz sahen - die schmalen zustiege zum felsen sind ungeeignet für massen von menschen (es war samstag) - und ich bin es auch.
von untern sieht man die pittoreske form des sandsteinernen tafelberges eh am besten.























AUF DER SELLNITZ    

1474 als *seltensat* - ort, wo selten ausgesät wurde - erstmals schriftlich erwähnt. aber schon 1580 fällt das gelände wüst. 1755 richtet das rittergut prossen dort eine schäferei ein und streuobstwiesen ein. diese obstbäume stehen zum teil heute noch - allerdings fallen sie einer nach dem anderen in sich zusammen.......
um 1900 richtete der sächsische staatsforst einen forsthof anstelle der schäferei ein, samt pferdeställen und abeiterunterkünften.

mitte der 1980er zog die naturschutzverwaltung ein - mit büros und einer werkstatt. heute befindet sich auf der sellnitz eine jugendbildungsstätte mit unterkünften und ein wirtschaftshof der nationalparkverwaltung. 
es wird versucht, die alte kulturlandschaft zu erhalten - durch pflege oder neupflanzungen der obstgehölze und durch beweidung - z.b. mit alten schafrassen - oder mahd der offenflächen.
auf unseren fotos sieht man die stehengelassenen wildblumenwiesen - bahnwärterinnen-hoch. bin gespannt, wie dieses experiment weitergeht........

im sommer findet das *sellnitzfest* statt - ein eher ruhiges volksfest mit vielen informationsständen über naturschutz, spielen zum thema natur für die kinder, handgemachte livemusik und essen & trinken von lokalen und bio anbietern.

















klamotte

nix neues.
kennt ihr alles schon. waldgrüner lodenmantel - lodenmantel muss waldgrün, oder? - und lammfellmütze - pelzhaus brühl in leipzig! - sind vintage, kaschmirschal aus neu-delhi, gefütterte russische lederhandschuhe und kanadische schneestiefel vom flohmarkt. rock von mir, marrokanischer gürtel 2.hand.

noch zu erwähnen: die handgestrickten wollsocken - einer niedlichen oma auf dem flohmarkt abgekauft und vom BW in szene gesetzt - heimlich ☺





Sonntag, 23. Januar 2022

japanische seide - vintage #DIY

 




ich hänge an meinen klamotten

nicht aus "messietum" - sondern weil sie schön sind, mir stehen und sich nützlich machen.......

so auch die beiden untenstehenden blusen. vor fast 20 jahren schenkte mir jemand ein konvolut japanischer seiden - irgendwann in den 80ern gekauft und dann vergessen - und beim umzug wiedergefunden und festgestellt, dass man ja doch nie was draus näht..... 
also kam die dame zu mir in die design-galerie
(die ich damals im prenzlauer berg betrieb und mit meinen kleiderkollektionen bestückte, nebenbei verkaufte ich aber auch designobjekte und kunstwerke anderer) 
und freute sich, mir eine freude damit zu machen.

ich konnte es damals gar nicht erwarten, das herrliche material zu verarbeiten.
neben anfertigungen für stammkundinnen nähte ich auch 2 kleine blusen für mich - und trug die hoch&runter.......
bis ich das BWH renovierte (entkernen, malern, fussböden abschleifen, wildniss roden) - danach passte der rücken nicht mehr rein.
also lagen die stückchen knapp 10 jahre in der kommode. bis es mich packte, an einem ungemütlichen wintertag neulich. ich suchte nach den seidenresten, fand sie auch bald (ich bin organisiert) und operierte jeweils 2 extra-schnitteile in die "alten" blusen........ jetzt passen sie wieder - ohne dass ich fürchten muss, die seide zu zerreissen mit meinen muckis ☺

und weil ich grad so schön dabei war, habe ich aus dem reststück der geblümten seide gleich noch ein oversize-blusentop genäht, ganz simpel - der stoff darf fallen und rascheln. und zur not passt auch noch ein russisches matrosenhemd drunter......












und sonst

der rock ist ebenfalls von mir, aus vintage stoff von omas beständen - knapp 20 jahre trage ich den nun und immernoch gern - und ja: der taillenbund passt auch nach 2 jahrzehnten, ganz ohne gummi.
nennt man disziplin.

 gürtel - 2.hand gucci, schuhe - vintage - 30er. die anderen gürtel - auch 2.hand.







mein nähplatz 

neben der industriemaschine aus den 50ern (rechts) eine haushaltmaschine mit tisch im skandi-design (made in DDR) aus den 60ern. neulich habe ich die spindeligen holzbeinchen abgeschraubt - immer, wenn ich gas gab an der nähmaschine, wackelte das ganze wie´n lämmerschwanz..... jetzt ruht der maschinentisch auf metallenen industrie-schubladenschränken aus den 90ern - wie ein fels in der brandung.
und die schränke sind endlich auch aus dem weg.






tip:

an stark beanspruchten stellen kleine stoffstückchen auf beiden seiten unter das ende der naht legen - hier das halsloch. 
keine klebeeinlage verwenden - die schlägt gern mal durch bei feiner seide.












Mittwoch, 19. Januar 2022

MUSS WEG

 




immer im januar......

..... sind zeitungen und internet voll von abnehm-diäten und ausmist-tips......
das gibt mir zu denken. heute mal laut.

"abnehmen müssen/wollen" setzt ja voraus, dass man zu dick ist. da die figur meiner erfahrung nach nicht von heut auf morgen aus der fasson gerät, ist also zu vermuten, dass sich der mensch 11 monate im jahr ohne sinn&verstand lebens&genussmittel reinstopft - auf dass dann am jahresanfang eine diät gemacht werden muss.
merkwürdiges benehmen.

"ausmisten" der wohnung/des kleiderschrankes impliziert - naaa, ihr ahnt es schon - dass die bude voller MIST ist...... 
da aber wohl die wenigsten pferde/kühe/schweine oder kleinvieh in ihrer ytonhütte halten, muss wohl was anderes mit dem wort mist gemeint sein.
nach ausgiebiger recherche fand ich raus: heim und/oder kleiderschrank sind voll mit unmengen an konsumgütern/klamotten - die offensichtlich so hässlich/schlecht sind, dass der besitzer selbst sie als mist bezeichnet und unbedingt AUSMISTEN muss..........
warum hat man aber den ganzen mistigen plunder mal gekauft?
zuviel geld auf der bank? zuviel frust im leben? schlechter stil?

und nicht, dass man dann nach all der abnehmerei und ausmisterei lebt wie eine buddhistische nonne - mit einem gewand, einer reisschale und ´ner gebetsmühle - neenee. sobald der erste sale kommt (und die 2 wochen crash-diät vorbei) wird wieder zugeschlagen.
neue pfunde und neuer plunder.
wohl bekomm´s.


nachdem ich das losgeworden bin:


einfach schön

....war, ganz nebenbei, unsere sylvesterfeier....
wir hatten einen lieben freund für 4 tage zu besuch, haben am am mittag zusammen einen schlichten kartoffelsalat gemacht und den zum abend mit selbstgemachten heringsbrötchen und tapas gegessen. einen feinen rotwein dazu getrunken - in der wohnküche des BWH, bei kerzenschein.
und natürlich haben wir uns umgezogen für den abend - die jungs in ihren guten hemden, garniert mit sakko bzw. fliege - ich im glitzerpullover.
nicht im bild die feinen tuchhosen der herren und mein taft&tüllrock.
nach dem essen verfügten wir uns in den roten salon - tranken, elegant in vintage sessel drapiert, köstlichen crémant und unterhielten uns über kunst und die welt. dazu legte der BW ein paar schallplatten auf.....
um mitternacht liefen wir nach draussen, stiessen an und wünschten uns gegenseitig glück, sahen dem entfernt hinter den bäumen aufsteigenden feuerwerk zu und entfachten dann ein kleines rituelles feuerchen im sommersalon - im feuerkorb natürlich. 
dort tranken wir die letzte flasche aus, redeten und träumten gemeinsam im schein der flammen.....
so gegen halb 2 gingen wir dann rein, um an unseren jeweiligen matratzen zu horchen.
schön wars!
 

(mein anzug inkl. schmuck ist 2.hand/DIY - die beiden männer kaufen klamotten nur alle jubeljahre & tragen ihre sachen bis zum sankt-nimmerleins-tag.)







Sonntag, 16. Januar 2022

SÜSSES GLÜCK UNTER´M WINTERHIMMEL

 





hallo, liebe kamerad*innen!

heute wandern wir ein bisschen durch den winterwald.
keine bange, es ist eine einfache tour für unerfahrene und salontiroler*innen...... es geht hier nicht um kilometer oder höhenmeter oder zeiten - wir sind unterwegs um uns an der natur zu freuen!

ich hoffe, ihr seid zweckdienlich angezogen - kleine hilfestellung: mein mehrlagiger anzug - ganz aus wolle. bis auf die bergstiefel versteht sich, die sind aus leder. 

nun aber los, rumstehen macht kalt, vor allem unten im schattigen tal. deswegen geht es erstmal straff bergan - nicht hetzen, schön ruhig gehen und gleichmässig atmen. aufpassen wo ihr hintretet, ist kein gefegter parkweg.......

weiter oben, wo die sonne scheint, können wir verschnaufen - hier ist es gleich viel wärmer. wir haben muße um nach oben in die baumkronen zu schauen und die aussicht zu geniessen - aber auch direkt vor unserer nase und zu unseren füssen entdecken wir die wunder der natur - zum beispiel macht der frost aus gräsern tannenzweige... verweilt einen moment und lasst sie auf euch wirken!

füllt eure lungen mit der klaren, kalten und sauerstoffreichen luft. lächelt den blauen himmel an. geht euch auch grad das herz auf?

zeit umzudrehen. der rückweg ist bekanntlich genausolang wie hin - und langsam meldet sich der appetit von soviel frischer luft.........










































location: irgendwo im elbsandsteingebirge
outfit: plastikfreier winter-wanderanzug, teilweise 2.hand/vintage







der titel des posts wurde von einem gedicht auf dem blog von polyester princess inspiriert - habe die im original ziemlich depressive aussage einfach umgedreht.....